Im Projekt werden die Folgen des Klimawandels für den Naturschutz in Großbritannien und Irland analysiert. Dafür wird eine integrierte Methodologie benutzt, die die Reaktion der wichtigsten Biodiversitätselemente auf den anthropogenen Klimawandel beschreibt. In der 1. Phase werden die Klimafolgen auf die Naturschutzressourcen analysiert. Die darauf aufbauende 2. Phase entwickelt allgemeine Methoden zur Erfassung der Artenverbreitung im Zusammenhang mit Landnutzung und Verbreitungskapazität. Dabei werden die Konsequenzen der Veränderung für die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen betrachtet und die Methoden in Fallstudiengebieten getestet. Die 3. Phase beinhaltet die Modellierung der zukünftigen, potenziell geeigneten Verbreitungsgebiete von 120 Arten, wobei 32 seltene oder gefährdete Arten detailliert betrachtet werden, die im "UK Biodiversity Action Plan" aufgeführt sind.
Ziele:
Ziel des Projekts ist die Kopplung bekannter Verbreitungsmodelle für Arten mit bioklimaischen Modellen, um einen Rahmen für die Untersuchung der Reaktionen der Biodiversität auf den Klimawandel zu schaffen. Dabei sollen Artenverbreitung und -verteilung sowie Landnutzungsänderung berücksichtigt werden, um Veränderung in der Verbreitung von Arten im Klimawandel zu simulieren. Es wird dabei nicht betrachtet, wo sich das Verbreitungsgebiet für einzelne Arten vergrößert oder verkleinert, sondern ob das zukünftige Klima wahrscheinlich günstiger oder ungünstiger für sie sein wird.
KLIMASZENARIO
Verwendung der Klimaszenarien des "UK Climate Impacts Programme" (siehe UKCIP) mit einem hohen und einem niedrigen Emissionsszenario und einer räumlichen Auflösung von 50 mal 50 km.
Parameter: mittlerer jährlicher Temperaturanstieg zwischen 2 und 3,5°C bis 2080 (Südostengland bis 5°C), verändertes Niederschlagsregime, häufigere Extremereignisse
räumlicher Bezug: Großbritannien und Irland
Zeithorizont: 2020, 2050, 2080
KLIMAFOLGEN
Es werden die Folgen für eine Vielzahl von durch den "UK Biodiversity Action Plan" geschützte Arten betrachtet. Folgen resultieren z.B. aus heißeren Sommern, längeren Wachstumsphasen der Pflanzen, feuchteren Wintern und häufigeren extremen Wetterereignissen wie andauernde Trockenheit und stärkere Stürme. Dieses betrifft die Verbreitung, die bevorzugten Habitate und das Verhalten der Arten. Viele Arten zeigen bereits heute eine nordwärts gerichtete Ausdehnung oder einen Rückgang in ihrer Verbreitung in Großbritannien als Resultat der Erwärmung.
Die im Projekt analysierten Arten können in vier Kategorien unterteilt werden, die auf den simulierten Veränderungen ihrer potenziell geeigneten Klimaräume basieren:
1. Gewinner: Arten, für die ein erheblicher Zugewinn an potenziell geeignetem Klimaraum wahrscheinlich ist und für die sich kein signifikanter Verlust zeigt. Diese Arten sind im Süden von Großbritannien und Irland verbreitet und leben gegenwärtig an der nördlichen Grenze ihres Verbreitungsgebiets.
2. Verlierer: Arten, für die ein signifikanter Verlust an potenziell geeignetem Klimaraum möglich ist und für die sich kein Zugewinn zeigt.
3. Keine Veränderung: Arten, für die sich weder ein Zugewinn, noch ein Verlust an Klimaraum zeigen lässt. Hierzu gehören nur wenige Arten, deren gegenwärtiger Klimaraum fast vollständig Großbritannien und Irland umfasst und die auch in Kontinentaleuropa weit verbreitet sind.
4. Verschiebung: Arten, für die eine Verschiebung ihres potenziell geeigneten Klimaraums möglich ist. Diese Arten zeigen alle eine nordwärts gerichtete Verschiebung ihres zukünftig geeigneten Klimaraums, wobei die Größe des Verlusts ihrer südlichen Verbreitungsgebiete von den betrachteten Emissionsszenarien abhängt und damit teilweise größer als der Zugewinn ist.
Sektoren und Handlungsfelder: Biodiversität und Naturschutz
ANPASSUNGSMASSNAHMEN
Hintergrund: Es soll die Notwendigkeit verdeutlicht werden, Anpassungsmaßnahmen für das Management der unvermeidbaren Effekte des Klimawandels auf die Biodiversität zu entwickeln. Die Modelle des zukünftig geeigneten Klimaraums können dabei nicht beschreiben, welche Maßnahmen auf Artebene getroffen werden müssen, da sie nur Tendenzen beschreiben. Anpassung im Naturschutz sollte flexibel genug sein, um unter verschiedenen Klimabedingungen zu funktionieren.
Die Ergebnisse zeigen, dass für mehr als 90% der betrachteten Arten unter Berücksichtigung der Klimaszenarien und Zeitskalen substanzielle Veränderungen in ihrem geeigneten Klimaraum auftreten können. Damit wird die Notwendigkeit für Anpassungsmaßnahmen zur Sicherstellung der Verbreitungsmöglichkeiten und somit zur Etablierung an neuen Standorten im Klimawandel deutlich.
Ziele: Ziel ist die Entwicklung von Politiken und Strategien für den Biodiversitätsschutz und die Sicherstellung, dass die Bedürfnisse der Biodiversität bei der Anpassung an den Klimawandel Berücksichtigung finden. Weiterhin sollen die zukünftigen Ziele des "UK Biodiversity Action Plan" weiterentwickelt und demonstriert werden, welche potenziellen Konsequenzen steigende Treibhausgasemissionen auf die britische und irische Biodiversität haben, um die Notwendigkeit ihrer Erhaltung zu verdeutlichen. Bestandteile der Anpassungsmaßnahmen müssen die Konservierung und Wiederherstellung der existierenden Biodiversitätsressourcen, die Reduzierung anderer Gefährdungsquellen wie Umweltverschmutzung und ungeeignete Managementstrategien der Habitate sowie die Entwicklung ökologisch resilienter Landschaften durch Reduzierung der Lebensraumfragmentation sein.
Zeithorizont: 2080
VULNERABILITÄT
wird nicht betrachtet
Dringlichkeit von Anpassungsmaßnahmen / Handlungsbedarf: Die Projektionen der potenziellen zukünftigen Artenverbreitung bekräftigen die Dringlichkeit für Managementeingriffe. Sind die projizierten Veränderungen für die Arten bis zum Jahr 2020 noch relativ gering, so sind bis 2050 substanzielle Veränderungen möglich. Erfolgreiche Anpassungsmaßnahmen des Naturschutzes brauchen mehrere Jahrzehnte, um effektiv wirken zu können und müssen deshalb rechtzeitig entwickelt werden.
Konfliktpotential / Nachhaltigkeit: Die Bewertung der Arten aus dem "UK Biodiversity Action Plan" verdeutlicht die direkten Effekte des Klimawandels auf den potentiell geeigneten Klimaraum. Es wird aber zu vielen weiteren Folgen für die Biodiversität kommen, wenn sich andere Sektoren wie z.B. die Land- und Forstwirtschaft oder das Wasser- und Küstenmanagement an den Klimawandel anpassen. Eine Bewertung der Klimafolgen und -risiken für Arten und Lebensräume muss diese Faktoren ebenso berücksichtigen, wie Veränderungen in der Phänologie, der Artengemeinschaftszusammensetzung, der Landnutzung, der Konkurrenz durch invasive Arten und der Effekte von extremen Wetterereignissen.


